• 08.05.2026
  • Fachartikel

Exportgeschäft 2026: Was die großen Player der Jagd- und Schießsportbranche sagen

Produkte in Bewegung zu halten, ist lebenswichtig für die Jagd- und Schießsportbranche – ganz gleich, ob es sich um Warenströme innerhalb nationaler Märkte oder um Import und Export über Länder- und Meeresgrenzen hinweg handelt. Ein stetiger Fluss an Schießsportausrüstung ist ein zentraler Indikator für eine gesunde Branche: Er zeigt, dass Händler verkaufen und Endkunden kaufen. Doch ein erfolgreicher Distributor oder Großhändler in unserer Branche muss heute weit mehr leisten als reine Logistik. Moderne Distributoren haben viele Facetten und müssen hart daran arbeiten, ein wertvoller Geschäftspartner für die von ihnen vertretenen Marken zu sein – nicht nur ein reiner Vertriebsweg.

Geschrieben von David Guest

Sattelzug mit weißem Auflieger fährt bei Sonnenuntergang auf einer Autobahn und symbolisiert Transport und internationale Warenlogistik

Angesichts all dessen, was sich in den vergangenen zehn Jahren weltweit ereignet hat, musste der Vertrieb zahlreiche ernsthafte Herausforderungen bewältigen – und vieles deutet darauf hin, dass diese auch in Zukunft bestehen bleiben werden. Doch was sagen die großen Marktteilnehmer selbst dazu? Wie gestaltet sich das Leben als Großhändler oder Distributor in der Jagd- und Schießsportbranche aktuell? Welche Herausforderungen stehen bevor? Welche Chancen bieten sich? Und welche Prognosen haben sie für Gegenwart und Zukunft? 
Wir haben mit mehreren dieser Schlüsselunternehmen gesprochen, um Antworten zu finden.

 

Alles bleibt in der Familie

Wenn man über Distributoren im europäischen Jagd- und Schießsportmarkt spricht, kommt man an Ferkinghoff International kaum vorbei. Seit mehr als 35 Jahren unterstützt dieses Familienunternehmen Marken aus aller Welt dabei, neue Netzwerke aufzubauen und ihre internationale Reichweite zu erweitern – dank umfassender Expertise, starker digitaler Präsenz sowie einer Unternehmensphilosophie, die auf Kontinuität und Weiterentwicklung setzt.

„Wir sind ein Familienunternehmen, und unsere Arbeitsweise besteht nicht einfach nur aus dem Prinzip verkaufen, verkaufen, verkaufen“, erklärt Geschäftsführerin Andrea Ferkinghoff. „Natürlich verkaufen wir gern, aber uns geht es vor allem darum, Partner zu finden, die zu uns passen. Wenn wir sehen, dass sich ein Unternehmen in Entwicklung befindet, dass ein familiärer Gedanke dahintersteht und Herzblut in der Marke steckt, dann sind das für uns die Grundlagen für eine Zusammenarbeit. Das ist heute wichtiger denn je – auch wegen des zunehmenden Wettbewerbs und der Instabilität der globalen Märkte.“ 

San-Tan-Tactical-CEO Jennifer Hill und Ferkinghoff-CEO Andrea Ferkinghoff stehen zusammen
Frauen übernehmen Führung in der Branche: Jennifer Hill von San Tan Tactical und Andrea Ferkinghoff.

Andrea ist überzeugt, dass die stärksten Unternehmen der Zukunft niemals ihren Blick nach vorn verlieren dürfen.

„Die größte Herausforderung ist es, weiterzudenken – man darf niemals stehen bleiben“, sagt sie. „Das ist es, was uns als Unternehmen immer antreibt, selbst in den schwierigen Situationen, mit denen einige unserer Branchenpartner derzeit konfrontiert sind.“

Ferkinghoffs Engagement für seine Partner und das Credo, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, zeigte sich auch auf der IWA 2026: Das Unternehmen gab bekannt, ein Büro in Frankreich eröffnet zu haben – mit einem eigenen Team vor Ort, das den Markt, die Sprache und die Kultur bestens kennt. Dieser Schritt soll den von Ferkinghoff vertriebenen Marken einen tieferen und nachhaltigeren Zugang zu einem der größten Jagdmärkte Europas ermöglichen. 

Zudem präsentierte Ferkinghoff ein neues Produkt, das verdeutlicht, wie sich die Zusammenarbeit mit einem US-amerikanischen Partner auf ein neues Niveau von Vertrauen, Kooperation und Erfolgspotenzial entwickelt hat. In enger Zusammenarbeit mit dem texanischen Hersteller San Tan Tactical entstand ein völlig neues Gewehr, das dessen Know-how und Qualitätsanspruch in eine Form überführt, die besser auf den europäischen Markt zugeschnitten ist.

Andrea erklärt: „Wir haben gemeinsam mit San-Tan-Tactical-CEO Jennifer Hill dieses neue Gewehr entwickelt – das war sowohl für uns als auch für sie ein großer Aufwand. Unsere Partnerschaft war bereits sehr gut, und dieses Projekt hebt sie auf die nächste Stufe. Für mich persönlich ist das besonders wichtig, da sowohl Ferkinghoff als auch San Tan von Frauen geführt werden – etwas, das in dieser Branche noch immer nicht selbstverständlich ist.“

Die Idee, eine amerikanische Marke dazu zu ermutigen, ihre Produktionsmethoden gezielt anzupassen, um eine Waffe speziell für Europa zu entwickeln, ist laut Andrea nur durch eine enge, persönliche Beziehung möglich. Genau solche Beziehungen werden ihrer Meinung nach die Zukunft von Import und Export in der Schießsportindustrie prägen – vermutlich stärker als je zuvor. 

 

Beziehungen auf beiden Seiten pflegen

Auch für das deutsche Unternehmen Helmut Hofmann ist es entscheidend, enge Beziehungen entlang der gesamten Vertriebskette zu pflegen – vom Import bis hin zur Weitergabe an die Händler.

„Für uns ist es sehr wichtig, Kunden zu finden, bei denen wir eine Verbindung zur Marke spüren und klar erkennen, wo sie im europäischen Markt positioniert ist“, erklärt Nicholas Hofmann, Assistant Chief Financial Officer. „Da viele der von uns importierten Marken aus den USA stammen, ist eine gute Kommunikation mit den Herstellern unerlässlich. Ohne persönliche Beziehung kann kein stabiles und verlässliches Vertriebssystem entstehen.“ 

Klare und transparente Kommunikation führt zu Geschäftspartnerschaften, die auf Vertrauen basieren – und genau diese Beziehungen halten schwierige Zeiten aus und ermöglichen überdurchschnittlichen Erfolg, wenn sich die Märkte erholen.

Nicholas führt weiter aus: „Derzeit erleben wir Auf und Ab, das die allgemeine Marktdynamik widerspiegelt. Wir haben Preiserhöhungen gesehen, bedingt durch die globale Lage, aber wir glauben an eine starke gemeinsame Zukunft, sofern wir unseren Werten treu bleiben.

„Wir möchten unsere guten Kunden eng begleiten, zugleich aber auch intensiv mit neuen Partnern zusammenarbeiten, bei denen wir Wachstumspotenzial sehen, und sie mit unserem Exportteam unterstützen. Die IWA ist dafür ein großartiger Ort – wir sehen hier sehr viele neue Kontakte, insbesondere aus den Benelux-Ländern und Südeuropa. Es fühlt sich an, als öffne die Messe unserem Exportgeschäft viele Türen.“ 

Nicholas Hofmann steht am Messestand von Hofmann auf der IWA OutdoorClassics
Nicholas Hofmann ist überzeugt, dass die IWA ein idealer Ort ist, um die Kommunikation mit den Partnern von Hofmann aufrechtzuerhalten. 

Neuheiten als Wachstumstreiber

Eine grundlegende Wahrheit im Geschäftsleben – insbesondere in Branchen, die von Leidenschaft und Freizeitinteressen geprägt sind – lautet: Neue Produkte schaffen Wachstum. Dabei geht es nicht nur um Neuheiten bekannter Marken, sondern auch um etablierte Hersteller aus einer Region der Welt, deren Produkte in einer anderen bislang nicht verfügbar waren.

Ein Spezialist auf diesem Gebiet ist das US-Unternehmen Brownells. Was einst als Teilelieferant für Büchsenmacher begann, hat sich zu einem der größten Namen der Waffenbranche entwickelt – nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.

„In Europa befinden wir uns derzeit in einem konstanten Wachstumsprozess“, erklärt Casey Betzold, Director of Global Sales bei Brownells. 
„Das hat verschiedene Gründe – einige sind marktbedingt, andere nicht. Die Branche geht davon aus, dass Europa in den nächsten zehn Jahren weiter wachsen wird. Ein zentraler Bestandteil unserer Strategie ist es, Marken nach Europa zu bringen, die hier bislang nicht vertreten waren.“

Brownells arbeitet mit US-Unternehmen zusammen, die entweder den Export scheuen, nicht wissen, wie sie ihn angehen sollen, oder ihn nur am Rande betreiben und nicht wissen, wie sie wachsen können.

„Wir verfügen über das nötige Know-how – wir machen das seit vielen Jahren“, so Casey. „Wir unterstützen Unternehmen jeder Größe: vom vollständigen Outsourcing ihres internationalen Vertriebs bis zum gezielten Schließen von Lücken – sowohl in Europa als auch weltweit.“ 

​Casey Betzold, Director of Global Sales bei Brownells, steht am Messestand von Brownells auf der IWA
Brownells verfügt über die richtigen Werkzeuge, um US-Marken den Verkauf in Europa zu ermöglichen, sagt Casey Betzold.

Dieser Ansatz bringt neue und spannende Marken nach Europa und kann für den stationären Handel ein echter Umsatztreiber sein – sei es ein kleiner Hersteller mit einem cleveren Produktkonzept wie Victor Company USA oder Marken, die zwar bekannt sind, deren Produkte bislang aber schwer erhältlich waren, wie etwa der Smartphone-Spektivadapter-Hersteller Magview.

„Viele der Marken, mit denen wir arbeiten, haben möglicherweise den US-Markt bereits ausgeschöpft“, fährt Casey fort. „Andere erhalten internationale Anfragen, wissen aber nicht, wie sie damit umgehen sollen, da der Versand ins Ausland und die regulatorischen Anforderungen sehr komplex sind. Wir setzen unser Wissen und unsere Logistikstruktur ein, um ihnen dabei zu helfen, ihre Ambitionen zu verwirklichen.“

Taktische Trends bleiben gefragt

In den vergangenen Jahren verzeichnete der taktische Markt ein wachsendes Interesse von Endanwendern, die professionelle Ausrüstung für Aktivitäten wie Paintball, Airsoft oder sogar den Alltag nutzen möchten. In Verbindung mit steigenden Verteidigungsausgaben vieler Staaten erlebt taktische Ausrüstung derzeit einen echten Höhenflug.

Gijs Klok, Managing Director des niederländischen Distributors Van OS Imports, erlebt diese Entwicklung aus erster Hand: 
„In unserer langen Firmengeschichte seit den frühen 1950er-Jahren hatten wir nur sehr selten ein schlechtes Jahr. Und das dürfte sich in naher Zukunft fortsetzen, denn der taktische Markt befindet sich in einer gesunden Verfassung.

„Traditionell ist es ein Markt mit stetigem Wachstum, weil funktionale Produkte verkauft werden, die täglich genutzt werden – und weniger Modeartikel. Das beginnt sich jedoch zu verändern: Hype und Trends gewinnen an Einfluss, Mode spielt eine größere Rolle. In den Niederlanden und angrenzenden Märkten sehen wir eine steigende Nachfrage nach Produkten wie Bomberjacken und militärisch inspirierten Rucksäcken. Natürlich ist dies auch durch die aktuellen geopolitischen Konflikte beeinflusst.“

Van OS Imports ist in den Niederlanden stark vertreten, doch rund 60 Prozent des Geschäfts entfallen auf den Export. Europa ist dabei der wichtigste Markt, aber das Unternehmen belieferte auch Kunden in weiter entfernten Regionen.

Dank eines starken Netzwerks an Handelspartnern sieht Van OS dennoch weiteres Potenzial, sofern weiterhin der Fokus auf die richtigen Produktlinien und Partner gelegt wird.

Gijs sagt abschließend: „Auf einer Messe wie der IWA trifft man viele neue Marken und Menschen. Wir nutzen die Messe, um neue B2B-Kunden und Produktideen zu entdecken. Wir glauben nie, dass wir schon alles abgedeckt haben – es gibt immer neue Ideen für neue Produkte, und hier ist der perfekte Ort, sie zu finden.“

Van-OS-Imports-Geschäftsführer Gijs Klok zeigt am Messestand des Unternehmens auf der IWA den Daumen nach oben
Der taktische Markt wächst in neuen Bereichen, so Van-OS-Imports-Geschäftsführer Gijs Klok.

Autor

David Guest
David Guest
IWA OutdoorClassics