Was sind die wichtigsten Faktoren für Jägerinnen, Jäger und Sportschützinnen sowie -schützen beim Kauf eines Produkts? Preis? Leistung? Service? Für die meisten echten Outdoor-Enthusiasten spielen all diese Aspekte eine Rolle, wenn es darum geht, hart verdientes Geld auszugeben.
Doch in der heutigen Welt wirken zusätzlich subtilere Einflüsse auf Kaufentscheidungen. Etwa: Welches Gefühl vermittelt ein Produkt? Gibt es der Käuferin oder dem Käufer mehr Selbstvertrauen? Steigert es das Gefühl von Vorbereitung und Widerstandsfähigkeit? Unterstreicht es ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal oder verstärkt es eine Eigenschaft, die man im Alltag nur selten spürt?
Diese sogenannten Soft-Power-Faktoren mögen auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, sind jedoch für Marken und Händler ein wirkungsvolles Mittel, den Absatz zu steigern – vorausgesetzt, sie werden strategisch klug eingesetzt.
Mindset wird Mainstream
Nahezu jeder Mensch hat in seinem Leben bereits Herausforderungen gemeistert – sei es eine entgangene Beförderung oder tiefgreifendere Erfahrungen wie Trauer.
Wer schwierige Zeiten übersteht, entwickelt Vorbereitungskompetenz und Resilienz. Während der einschneidenden Monate im Jahr 2020, als die Pandemie den Alltag prägte, mussten viele Menschen ihre persönliche Vorbereitung neu bewerten – und sich sehr direkt mit der Psychologie des Überlebens auseinandersetzen.
Zusätzliche Faktoren wie globale Konflikte, Klimawandel und andere potenziell existenzielle Bedrohungen haben diesen Trend verstärkt: Die Psychologie des Überlebens ist im Mainstream angekommen.
Ob bewusst oder unbewusst – Eigenschaften wie Widerstandsfähigkeit, Hoffnung, Zielstrebigkeit und Anpassungsfähigkeit werden zunehmend gesucht. Das spiegelt sich auch in Kaufentscheidungen wider. Für Jägerinnen, Jäger und Schützen, die ihr Hobby oft unter Bedingungen ausüben, in denen Überleben oder Durchhaltevermögen stärker spürbar sind, ist dieser Mentalitätswandel besonders relevant – und etwas, das die Branche gezielt nutzen kann.
Was bedeutet das für den Handel?
Es ist leicht gesagt, dass Händler betonen sollten, wie ihre Ausrüstung Selbstvertrauen, Resilienz und mentale Bereitschaft stärkt. Doch wie setzt man das praktisch um? Ein bewährtes Marketingprinzip erklärt es treffend: „Sell the sizzle, not the sausage.“ Übersetzt: Verkaufen Sie das Gefühl, nicht nur die Funktion.
Das bedeutet: Statt die technischen Daten eines Produkts in den Vordergrund zu stellen, vermitteln Sie, wie es sich anfühlt und welche Möglichkeiten es eröffnet.
Ein Beispiel: Bewerben Sie ein Schießstativ nicht primär über Materialangaben oder Gewicht, sondern darüber, wie es Schützen ermöglicht, auch unter rauen Bedingungen in abgelegenen, eindrucksvollen Landschaften sicher und präzise zu treffen.
Ein wasserdichter Jagdmantel? Statt nur die Anzahl der Membranlagen zu nennen, erzählen Sie, in welchen extremen Wetterlagen er Jägerinnen und Jägern geholfen hat, lange genug draußen zu bleiben, um erfolgreich zu sein.
Diese Form der Angebotspräsentation kann nicht nur in Marketing-Materialien, sondern auch im direkten Verkaufsgespräch wirken: Wenn Verkaufspersonal wahre Geschichten über erfolgreiche Jagden in Schneestürmen und Minusgraden erzählt, ist das oft überzeugender als eine reine Auflistung technischer Features.